Schweizerdeutsch ist nicht gleich Schweizerdeutsch.
Wann wird in Schweizer Medienproduktionen Dialekt gesprochen, wann Hochdeutsch, und welcher Dialekt passt zu Ihrer Kampagne? Ein Einblick in die Schweizer Sprachkultur.
Wenn ich Produktionsanfragen aus dem deutschsprachigen oder internationalen Umfeld erhalte, werde ich meistens für eine Voiceover-Produktion in «Schweizerdeutsch» angefragt. Schweizerdeutsch ist aber nicht gleich Schweizerdeutsch: Zum einen gibt es die in der Deutschschweiz gesprochenen regionalen Dialekte, sie variieren stark und werden von unseren deutschen Nachbarn meist nicht verstanden. Zum anderen gibt es das sogenannte Schweizer Hochdeutsch: Das versteht jeder Deutsche, hat durch die frankophone Nähe aber einen etwas anderen Wortschatz.
Der geografische Sprachraum der Schweiz
Die Schweiz hat vier Landessprachen. Schweizerdeutsch wird in der Deutschschweiz gesprochen, dem orangen Gebiet auf dieser Karte, in dem rund zwei Drittel der Bevölkerung leben. Wer eine Kampagne für die ganze Schweiz plant, produziert deshalb in der Regel mehrere Sprachfassungen.

Facts zur Schweizer Sprachkultur in Medienproduktionen
Viele ausländische Produktionsfirmen gehen davon aus, dass Deutschschweizer Schweizerdeutsch reden, schreiben, und dass sich das auch in den Medien spiegelt. Die Realität ist differenzierter:
- Schweizerdeutsch existiert als offizielle Sprache nicht. Die Dialekte werden nur gesprochen, Rechtschreiberegeln sucht man vergebens.
- Schriftlich wird in Standarddeutsch kommuniziert. Nur im lockeren persönlichen Austausch (z. B. Kurznachrichten) wird der eigene Dialekt frei interpretiert geschrieben.
- Im Fernsehen wird oft ein «neutrales Schweizerdeutsch» gesprochen. Ausnahmen sind Nachrichten und rund die Hälfte der Werbespots, die einen internationalen oder offiziellen Charakter ausstrahlen wollen.
- Voiceovers in Hochdeutsch werden fast immer von Schweizern mit Bühnendeutsch-Erfahrung gesprochen, wegen der französischen Einflüsse und des helvetischen Wortschatzes werden Sprecher aus Deutschland selten gebucht.
- Bei nationaler Werbung in Schweizerdeutsch ist entscheidend, welcher Dialekt eingesetzt wird. Gefragt ist meistens ein Mix aus Zürichdeutsch und Berndeutsch, faktisch der Dialekt aus Olten/Solothurn, augenzwinkernd «Bahnhof Buffet Olten» genannt. Das ist die sprachliche Mitte der Deutschschweiz und wird von den meisten als «neutral» empfunden. Mit meinem abgeschwächten Berndeutsch treffe ich genau diese Mitte.
Wie die regionalen Dialekte wahrgenommen werden
Eine (subjektive) Beziehungsanalyse der grösseren Schweizer Sprachregionen:
- Zürichdeutsch gilt wegen des eher harten Klangs und des schnellen Lebensstils als selbstbewusst, ideal für progressive, urbane Kommunikation.
- Berndeutsch gilt wegen des gemütlichen Dialekts als langsam, wird aber von den meisten sehr geschätzt, perfekt, wenn Sympathie und Vertrauen zählen.
- Baslerdeutsch und Ostschweizer Dialekte (St. Gallen, Thurgau, Schaffhausen) kommen in der übrigen Schweiz weniger gut an.
- Walliserdeutsch finden viele sympathisch, es wird aber schwer verstanden; Bündnerdeutsch ist beliebt, trägt aber ein Bergbauern-Image; Zentralschweizer (Luzern, Zug, Schwyz, Uri, Ob- und Nidwalden, Glarus) gelten als angenehm und sympathisch.
Wie gross die Unterschiede wirklich sind
Die Schweizer verstehen sich untereinander meistens problemlos. Es kommt aber immer wieder vor, dass einzelne Begriffe von Kanton zu Kanton völlig anders lauten. Diese Karte zeigt es an einem einzigen Wort: Wie nennt man den Überrest eines Apfels?

Die Dialekte, die innerhalb der Deutschschweiz am besten verstanden werden, spricht man in den Kantonen Zürich, Aargau, Luzern und Zug.
Drei Sprachvarianten, ein Sprecher.
Alle Aufnahmen stammen aus realen Produktionen. Sie finden sie gebündelt auf der Seite «Dialekte».
Zürichdeutsch
Vom harten Stadtzürcher Dialekt bis zur weicheren, ans Aargauische angrenzenden Variante.
Zu den Hörbeispielen →Berndeutsch
Mein abgeschwächtes Berndeutsch trifft die sprachliche Mitte der Deutschschweiz.
Zu den Hörbeispielen →Hochdeutsch (CH)
Deutsch ohne bundesdeutsche Färbung, in jeder gewünschten Abstufung.
Zu den Hörbeispielen →Wofür Schweizerdeutsch gebucht wird.
Klicken Sie auf einen Bereich, um Beispiele zu hören und zu sehen.
Schweizerdeutsch aufs Korn genommen
Wie unterschiedlich die Deutschschweizer Dialekte klingen, bringt der Schweizer Künstler Bligg in seinem Song «MundART» auf den Punkt: Selbstbewusste Dialektvertreter liefern sich einen verbalen Kampf um den schweizerischsten Dialekt, mit Augenzwinkern.
Welcher Dialekt passt zu Ihrer Produktion?
Ich berate Sie gerne, und liefere die passende Hörprobe, bevor Sie sich entscheiden. Dank eigenem Tonstudio geht das schnell und unkompliziert.